Donnerstag, 30. Dezember 2010

B-SEITE: Epitaph

„Konfus wird mein Grabmal sein
Doch für Euch ist es nur aus Stein
Und wenn ich dann
Aus der Seele krieche irgendwann
Bin ich vergessen - unerkannt.“
(Charly Davidson)

(...) Was von Charly und seiner Legende bleiben wird, ist nicht nur die von ihm nach seiner jüngsten Tochter benannte Brause „Spirit Of Georgia“, die der COCA COLA Konzern möglicherweise sowieso irgend wann einmal wieder vom Markt nehmen wird. Ebensowenig lässt sich Charlys Wirken auf seine Anwesenheit in drei Dekaden der Deutschen Musikgeschichte oder seine Veröffentlichungen reduzieren. Nein: Charly Davidson, Karl David Korff war stets mehr als die Summe seiner Talente.

Inzwischen haben seine Töchter als Alleinerben damit begonnen, nach Charlys Schätzen zu suchen und sie zu heben. Da er ihnen und der Nachwelt keinen letzten Willen hinterlassen hatte, sind auf ihrer Schatzkarte nur zuerst die beiden Inseln „Worte“ und „Musik“ zu finden gewesen. Genug Terrain aber um zu graben und zu forschen. Knapp zehn Monate nach seinem Tod zeigten Caroline und Georgia Korff der Musikwelt auf einer Pressekonferenz, wie weit sie bisher in das unentdeckte Land ihres Vaters vorgedrungen sind. Das Textfragment „EPITAPH“ zum Beispiel schrieb Charly Davidson 1976 für seine niemals realisierte Rocksuite „32 LETTERS“. Es findet sich, neben vielen anderen von ihm mit fortlaufender Nummerierung versehenen Unterlagen in seinem „Wortarchiv“, das aus vielen Aktenordnern besteht und mit einem „ONE VIEW WEST“ betitelten Bereich unveröffentlichte literarische Werke enthält.

Wesentlich umfangreicher ist jedoch das „Originalaufnahmen“- Tonarchiv in dem als „Barrensilber“ immer noch hunderte nicht veröffentlichter Songs verborgen sind, angefangen bei „Noch kürzere 15“, dem vielleicht kürzesten Musikstück der Welt, bis hin zum mehr als dreistündigen „Gulf War Requiem“, einem mehr als monumentalen Anti-Kriegs-Werk aus dem Jahre 1991, das mir ein Jahr später schon beim ersten Durchhören die Tränen in die Augen trieb, so grandios war es Charly gelungen, Hunderte von Original Radio-Schnipseln, die er 1990 bei AFN und anderen Radiosendern endlos aufzeichnete, hat er, in Musik eingebettet, so verarbeitet, dass sie die Geschichte des ersten Golf-Krieges erzählen.

Im „Originalaufnahmen“-Archiv befinden sich, wie Caro berichtete, gleich mehrere bisher unveröffentlichte Alben von Charly Davidson / Karl David Korff. Das erste erschien Anfang 2011 unter dem Titel „RAUMFAHRT“. Fertig produziert seien ebenso ein Album mit Charlys Lieblings-Coversongs („UNTER FREMDER FLAGGE“), ein Rock-Album mit Titel „AUF IN DEN KAMPF“ sowie ein elektronisches Album namens „ELEKTROMUSIK II“, die in den nächsten Jahren nach und nach veröffentlichen werden sollen.

So ganz „unerkannt“ ist Charly Davidson dann also doch nicht von uns gegangen und sein Album „TOR“, das bereits als sein musikalisches Vermächtnis galt, war dann doch nicht sein letztes.
Hierzu haben Caro und Georgia gleich auch noch eine eigene Medienplattform gegründet, die sie in seinem Gedenken (und unter Verwendung der noch von Charly in Montenegro registrierten Domain „v-2.me“) „V2 - MEDIA ENTERTAINMENT“ genannt haben.

Was aber insgesamt von Charly Davidson-Korff in unserer Welt verbleibe wird, ist seine Rocklegende und all das, was sich langsam um sie webt. Dazu gehört, dass Menschen behaupten, er sei gar nicht so gestorben, wie es in der Untersuchung durch die spanischen und deutschen Behörden festgestellt wurde - einer französischen Zeitung wurde hierzu bereits entsprechendes Material angeboten. Und es gibt bereits ChD-Sichtungen: Meldungen zufolge nach soll Charly in Tunis leben und es sich dort gut gehen lassen. Oder war es in Chalon-sur-Saône, La Gomera, Arizona, Australien oder auf dem Mond?

„Wenn Idole sterben, werden sie zu Legenden.“ hat Charly Davidson einst zum Tode Marc Bolans in sein Tagebuch geschrieben. Und auch nach seinem Tode hat sich im Grunde alles genau so entwickelt, wie es Charly Davidson auch zu Lebzeiten gefallen hätte. In diesem Sinne...

SALUTE CHARLY...und mach es gut, wo immer Du bist!

Montag, 27. Dezember 2010

B-SEITE / Song 16: Íkaros

„The winner takes it all / The loser has to fall“
(Göran Bror Benny Anderson & Björn Kristian Ulvaeus)

[D minus 5 and counting]: Von Los Christianos, einer Hafenstadt die etwa zweiunddreißig Kilometer von der Insel La Gomera entfernt auf der Nachbarinsel Teneriffa liegt, gehen täglich neun Fähren nach San Sebastián. Von den Fährgesellschaften bietet die „Naviera Armas“ eine Überfahrt von Los Cristianos nach San Sebastián in einer herkömmlichen Fähre an, während Fred Olson seine „Fast Ferries“, also Schnellboote, einsetzt.

Der „Garajonay Expres“-Katamaran wiederum ist ein schnelles, wenn auch kleineres Fährboot, das täglich Reisende sowohl von Los Cristianos nach San Sebastián de La Gomera als auch rund um die Küste von La Go von San Sebastián nach Playa Santiago und zum Valle Gran Rey bringt, in dem Charlys „New Admiral Benbow“ liegt. Den „Garajonay Expres“ nahm Charly um zu seiner Macià zu gelangen. Am Hafen am Valle Gran Rey empfing ihn sein Gärtner und fuhr ihn ins Haupthaus.

Neben seinen Moleskine-Kladden, von denen Charly mir ja eine in dem bekannten braunen Umschlag überlies, führte er auch über sein Compaq Notebook Tagebuch und zwar nicht im Notebook selbst, sondern im Internet über „EeeStorage“. Dieser Webdienst war es auch (...)

(...) weltweite Wirtschaftskrise hatte im Spätherbst 2008 bereits dazu geführt, dass sein Musikimperium-Konstrukt aus den Firmen CBQ und BESTSIDE, deren Unterlabels, Musik- und DVD-Läden, Verlagen etc. massive finanzielle Probleme hatte. Die Finanzierung der STURM-Truppen musste er einstellen; diese gründeten sich unter einem ähnlichen Namen neu und gingen in den Erfurter „Zughafen“ von Rapper Clueso und waren fortan dessen philharmonisches Orchester.

Charly selbst hatte Panikattacken wegen einer Insolvenz und dann möglicherweise auf ihn zukommenden Vorwürfen eines Betruges und entnahm seiner Firma damals kein Geld mehr,. Seine persönlichen Finanzlücken deckte er hauptsächlich durch Verkäufe von Tafelsilber; auch sein Van Gogh Original hat er in dieser Zeit verkauft. Das sollte für ihn, dachte er, wohl reichen bis zum Dezember, der ihm durch die Veröffentlichung von „TOR“ neues, frisches Geld bringen würde. All das war zwar beunruhigend, aber sogar John Lennon und Paul McCartney hatten einmal im April 1968 so große finanzielle Schwierigkeiten durch ihre Firma „Apple“ (...)

(...) erwartete Charly auf La Gomera den 28. November 2008. Immer waren seine Gleitschirmflüge gut ausgegangen, auch wenn Chary hier und da „a nodding acquaintance with Death“ hatte, wie er es ausdrückte, wenn es gefährlich geworden war. Dieses kleine Mal dauerte sein Schwätzchen mit dem Tod aber wahrscheinlich einen Moment zu lang.

[Lift Off, the clock is operating, we're under way]: Überschattet war der 28. November 2008 von den Terror-Anschlägen auf verschiedene Hotels in Mumbai. Alles konzentrierte sich auf die Vorgänge in Indien, als um 18 Uhr diese Eilmeldung bei SPIEGEL-Online kam:

CHARLY DAVIDSON BEI FLUG VOR LA GOMERA ABGESTÜRZT

Verwirrung gab es, weil SPIEGEL-Online schrieb, er wäre mit einem Flugzeug abgestürzt. Auch andere Medien hatten schnell die Meldung vom Flugzeugabsturz übernommen, ohne sie zu verfizieren. Kurz vor Mitternacht veröffentlichte Charlys Management zur Klarstellung dann die folgende Presseerklärung:

Leider müssen wir die jüngsten Meldungen über Charly Davidson bestätigen. Nach den uns bisher vorliegenden Berichten aus La Gomera ist Charly heute am späten Nachmittag mit seinem Gleitschirm (und damit anders als von 'SPIEGEL-Online' vermeldet nicht mit dem Flugzeug) bei dem Versuch, die Insel La Gomera an ihrer Küste zu umrunden, verunglückt. Aus welchen Gründen oder aufgrund welcher Umstände er ins Meer stürzte, ist derzeit reine Spekulation. (...) Wir hoffen mit all seinen Freunden und Fans und setzen all unsere Hoffnung auf die am frühen Morgen weitergehenden Such- und Rettungseinsätze.

Georgia Korff flog sofort nach Tenneriffa und kam am späten Nachmittag des 29. November auf La Gomera an. Doch von ihrem Vater fehlte da, bis auf den Gleitschirm, der inzwischen aus dem Atlantik geborgen worden war, immer noch jede Spur. Zeugen meldeten sich bei den Medien, die gesehen haben wollten, dass der Gleitschirm und sein Pilot wie ein Pfeil ins Wasser gestürzt seien.

„Er tauchte in das Wasser ein und wurde dann von seinem Schirm durch die Meerenge zwischen den Inseln La Gomera und Teneriffa gezogen, regelrecht geschleppt“, wurde ein Mann im spanischen Fernsehen zitiert. „Niemand hat ein Notrufsignal empfangen“, ergänzte ein Marinesprecher am Unglücksort und fügte an „Offenbar ist Davidsons Fluggerät plötzlich steil nach oben gestiegen, bevor er verunglückte.“

Die Suche der spanischen Marine dauerte noch zwei weitere Tage, dann wurde sie aufgegeben. Nun war es allen klar: Charly würde dieses letzte Flugabenteuer wohl kaum überlebt haben. Doch es dauerte noch weitere lange Tage, bis Klarheit herrschte. Am 10. Dezember 2008 wurde sein Leichnam von Fischern aus dem Atlantik geborgen.

„Es handelt sich bei dem geborgenen Toten unzweifelhaft um den vermissten Deutschen“, teilte Juan Velásquez, der örtliche Direktor der Guardia Civil mit. Eine Obduktion solle ergeben, wie er gestorben sei, sagte Velásquez weiter. Die Besatzung des Fischkutters habe den treibenden Körper gegen 12 Uhr im Meer nordwestlich von Tenneriffa entdeckt, berichtete er, stellte dann fest: „Das war viel Glück“.

Davidsons Töchter und seine Eltern hatten bis zuletzt gehofft, ihren Vater oder Sohn nicht zu verlieren. Auch Sabine Korff hatte einen Schock erlitten, als sie die Nachricht vom Unfall erfuhr. Viele Musikfans reagierten verwirrt und ratlos, hofften vielleicht sogar darauf, dass auch dies wieder ein Trick der Rocklegende sein würde, die Öffentlichkeit zu narren.

„Wir hoffen alle auf ein Wunder, dass er von irgendeinem Schiff aufgenommen worden ist und vielleicht ohne Erinnerung oder sogar ohne Bewusstsein irgendwo gepflegt wird“, heißt es in einer Erklärung , welche die Familie damals veröffentlichte. Nun mussten sie, nach der Freigabe des Leichnams durch die Guardia Civil, die Trauerfeier organisieren. Mitten in diese Entwicklung kam die Veröffentlichung von „TOR“ und das Album erreichte sofort Platz 4 in den Charts. (...)

(...) Nachdem seine Familie ursprünglich angekündigt hatte, Davidson zu Beginn des neuen Jahres zu beerdigen, wurde die Urne mit den sterblichen Überresten von Karl David Korff bereits am 30. Dezember 2008 im engsten Familien- und Bekanntenkreis auf dem Jenaer Nordfriedhof beigesetzt. Etwa fünfzehn Familienangehörige und enge Freunde gaben ihm das letzte Geleit. Auch Helmut Prosa, Brian Barqin und meine Person gehörten zu den Trauergästen und ich glaube - in respektvoller Distanz hinter einem Baum versteckt - einen kurzen Moment lang auch einen weißen Bart erspäht zu haben.

Damals schien es, als ob das Leben mit dem Ende des Jahres 2008 einen Schlußstrich unter die Angelegenheit „Karl David Korff, bekannt als: Charly Davidson“ gezogen hätte. Er war künstlerisch belanglos geworden, pleite, tot und dazu noch auf einem „ausgiebigen Radieschen-Studium“ - denkbar schlechte Voraussetzungen also um eine Rocklegende zu werden. Ich habe inzwischen mit Charlys Leben und Sterben meinen Frieden gemacht. Auch werden die Nächte seltener, in denen er mich mit dem Satz
„Du musst erst sterben, damit sie dich leben lassen.“ und seinem typischen Lachen aus dem Schlaf reißt und dann zu singen beginnt

„Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste, yo-ho-ho-heh … und ‘ne Buddel voll Rum!“.

Freitag, 24. Dezember 2010

B-SEITE / Song 15: Möglichkeiten einer Insel

„I sing the Body electric;
The armies of those I love
Engirth me and I engirth them;
They will not let me off till I go with them
Respond to them and discorrupt them
And charge them full with the charge of the Soul.“
(Walt Whitman)

Mit der Abwicklung seiner Scheidung hatte Charly jemanden betraut, der ihm schon 1992 bei der Studioansiedlung in Jena geholfen hatte und nach seinem Abschied vom Bundesgerichtshof Charlys Rechtsanwalt geworden war: Prof. Dr. Klaus-Michael Hasselbach, eine Institution im bundesdeutschen Rechtswesen und die Integrität in Person. Der nahm das Mandat an und verkündete Charly schon bald dessen finanzielle Probleme, die einerseits mit der Verschachtelung von Charlys wirtschaftlichen Aktivitäten durch Uschi, andererseits jedoch auch mit dem schwindenden wirtschaftlichen Erfolg seiner musikalischen Projekte zusammen hängen würden, wie er sagte.

Hasselbach schlug Charly vor, für ihn mit den Banken zu verhandeln, um bessere Konditionen für die laufenden Kredite zu erhalten. Charly stimmte dem zu, denn er war froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der ihm treu zur Seite stand. Hasselbach schlug ihm auch vor, dass er und seine Frau sich weiterhin bei besonderen Anlässen in der Öffentlichkeit sehen lassen sollten, damit die Banken keinerlei Verdacht schöpften, eine Scheidung würde im Raum stehen. Denn der fehlende Ehevertrag könne, so Dr. Hasselbach, im Falle einer zu früh bekannt werdenden Scheidung, Charlys wirtschaftliche Aktivitäten zusätzlich in weitere Schwierigkeiten bringen. Charly vertraute Hasselbachs Ratschlägen und ließ es deshalb über sich ergehen, dass sein 50. Geburtstag von Ursula Maus im Jenaer „Schillerhof“ professionell und mit vielen Freunden inszeniert wurde.

Dafür genoss er es sichtlich, weinig später, bei Carolines Hochzeit mit deren brasilianischen Ehemann Roberto, wieder einmal an der Seite seiner Ex-Frau Sabine sitzen zu dürfen. Und Sabi war erstaunlich nett zu ihm, wie er in seinem Tagebuch vermerkte. Und Charly fügte noch einen Satz an: „Es hat sich nichts geändert: 'nett' ist immer noch die Schwester von 'scheiße'. Oui, c'est ça.“ Aber irgend jemanden erzählen, wie es da in ihm wirklich aussah, das war (...)

(...)
wenige Wochen nach den ersten Presse-Meldungen kam im Schnellverfahren das tatsächliche Ende der Ehe von Charly Davidson und Ursula Maus. Wieder vermeldete es die ZEITUNG exklusiv, sprach von einer „Blitzscheidung“ und erneut kam nicht Charly Davidson zu Wort sondern zuerst seine zweite Ex-Frau. (…) Gegenüber dem ZDF betonte Frau Dr. Maus, es sei bei den Scheidungsmodalitäten nie um Geld gegangen. „Es ging niemals ums Geld, auch nicht um seine Sammlungen. Ich wollte das einfach regeln und dann nach vorne schauen.

Die Wahrheit sah freilich anders aus und hatte ganz entscheidend mit Prof. Dr. Klaus-Michael Hasselbach zu tun. Der hatte Ende Dezember 2007 bei Charly angerufen und „der Ordnung halber“, wie er sich ausdrückte, erklärt, er beende das Mandat, welches sich ja sowieso nur auf die finanziellen Dinge bezogen hätte, zum 31. Dezember. In der Scheidungssache vertrete er, und das müsse Charly akzeptieren, „vom 1. Januar 2008 an Ihre Frau, Dr. Ursula Maus.“.

Charly konnte nicht glauben, was er da am Telefon hören musste. Er drohte Hasselbach daraufhin sofort mit einer Anzeige bei der Berliner Anwaltskammer, was der aber lachend zur Kenntnis nahm und danach auflegte. Noch einmal musste Charly daraufhin den „White Boy“ um dessen Hilfe bitten und der vermittelte ihm anschließend die Anwältin, die Charly dann auch bis zur Scheidung vertrat. In seinem Tagebuch (...)

(...) Juni 2008, gerade als die Proben für das Theaterspektakel "Der Sturm" liefen, für das Charly die Adaption geschrieben und acht Songs beigesteuert hatte, gab es in der ZEITUNG dann erste Meldungen über seinen Gesundheitszustand, die aber allesamt noch zwischen den Zeilen abgehandelt wurden. Offenbar hatte irgend jemand Seiten irgendeiner Krankenakte kopiert und der Presse angeboten, doch die war anbetracht der Scheidungsschlacht zuvor skeptisch, was den Wahrheitsgehalt der Fotokopien anbelangte. Abgemagert sei er, schrieb man in dem kleinen Artikel, blass geworden, doch Charly erklärte darauf prompt, er sei nicht krank, trainiere nur verstärkt und wolle Gewicht abnehmen. Dann jedoch, im September 2008 gab es einen weiteren, beunruhigenden Bericht in der Presse. Es wurde vermeldet, Charly Davidson ziehe sich „vorübergehend“ aus der Leitung seiner Mediafirma CBQ zurück und Brain One übernahm deren alleinige Leitung.

„In der kommenden Wochen möchte ich mich auf die Fertigstellung meines neuen Albums konzentrieren und einige private Dinge, die ich schon lange geplant habe, angehen.“

hatte Charly in einer E-Mail an seine Mitarbeiter geschrieben und erklärt, CBQ-Geschäftsführer Peter Paul Gabriel würde während der Abwesenheit seine Aufgaben beim Plattenlaben BESTSIDE wahrnehmen. Davidson betonte aber auch, er werde an großen strategischen Entscheidungen beteiligt bleiben und Anfang 2009 in das Unternehmen zurückkehren.

Für die Presse war dies der Anlass, sich nun offener als zuvor um seine Gesundheit zu „sorgen“, was wiederum dazu führte, dass Charly Davidson (auch wegen der Veröffentlichung von Paparazzi-Fotos in der BUNTEN, die ihn unvorteilhaft während seines Urlaubs auf Usedom zeigten) verärgert (...)

(...) berichtete in einem ARD-Interview für das „Brisant“-Magazin, bei dem er gesund und agil wirkte, er habe natürlich einige Erfahrung mit kranken Musikkollegen und verstehe deshalb, dass sich Fans und Medien unter Umständen große Sorgen machen würden. Doch er trainiere sich nur seine Pfunde ab, um demnächst ein neues Flugabenteuer zu wagen. Und man zeigte ihn beim Gleitschirmfliegen auf La Gomera. Charly teilte in „Brisant“ mit, er werde

„irgendwann in nächster Zeit einen Überflug wagen. Einmal rund um La Gomera mit dem Gleitschirm über den Atlantik“.

Danach komme sein neues Album „TOR“ auf den Markt, das unmittelbar vor der Fertigstellung stehe, und er plane sogar, sagte die Rocklegende, 2009 wieder auf Tour zu gehen. Das war es, was alle sich alle ersehnt hatten: seine treuen Fans jubelten. Mich machte es allerdings schon stutzig, dass Charly dieses Mal genau das sagte, was man von ihm hören wollte. Das war zwar in gewisser Weise auch „Expect The Unexpected“, aber dieses Mal hatte ich das unbestimmte Gefühl, dass es nicht in die Gesamtsituation passte. Charly kommunizierte in dieser Zeit hauptsächlich per Telefon und über seine Radiosendung „Heimatkunde“ mit der Welt und in den sechs Wochen bis Mitte November hatte ich sogar gar keinen Kontakt mit ihm. Sein Anrufbeantworter meldete immer nur „Charly Davidson ist zur Zeit nicht zu sprechen. Aber wenn sie morgen um die gleiche Zeit anrufen, ist Charly Davidson ebenfalls nicht zu sprechen“.

Nur in seinem „Spirit Of Germany“-Blogg konnte man noch etwas Neues über ihn erfahren; so berichtete er ausführlich über die letzten Arbeiten an „TOR“. Am 20. November 2008 bloggte Charly Davidson aber etwas anders:

„Hallo ihr da unten, das Album ist fertig, die Presse informiert. Zeit also für einen weiteren Ausflug in die Lüfte, bevor der Vorweihnachtsstress beginnt. Mein Fast-Weltraumspaziergang findet wieder mal auf La Gomera statt. Morgen früh geht‘s los. (…) Ich hoffe auch, daß sich auf LaGo das Wetter so entwickeln wird, wie erhofft ... man wird es sehen. Bis dann!“

Das letzte Abenteuer des „Überfliegers“ stand unmittelbar bevor.

Montag, 20. Dezember 2010

B-SEITE / Song 14: Irgendwo im Nirgendwo

„Mag er auch alles besitzen,
den Luftraum beherrscht Minos nicht.“
(Ovid)

(...) überraschender kam also die Absage, unerwartet zudem, da die „Reizwolf“-Tour mit seiner neuen BEGLEITUNG IV im Grunde recht gut gelaufen war. Charlys neuer Gitarrist Mick „Castermania“ Szutor hatte die Lücke von Helmut Prosa optimal ausgefüllt, war für Charly inzwischen viel mehr geworden als nur der geplante Sideman für Lukas Linde.

In einem TAGESSPIEGEL Interview mit Hermann Nettelbeck unter dem Titel „Die Kunst, die Moral und ein Rückzug aus dem Musikgeschäft“, veröffentlicht am 5. August 2007, äußerte sich Charly dann zur Absage der Konzerte, zu seinem inszenierten Tod im Fernsehen und weiterhin gab er Nettelbeck und den TAGESSPIEGEL-Lesern offen Auskunft zu Drogen- und Medikamentenmißbrauch. Es war sein erstes Interview nach Uschis Enttarnung und den Bedingungen, die sie ihm für eine Scheidung gestellt hatte und man ahnt, dass Nettelbeck das Glück hatte, einem Künstler wie Charly im richtigen Moment die richtigen Fragen zu stellen; etwas von dem jeder Journalist nur zu träumen wagt. Hier sind einige Auszüge aus dem Interview.

»HN: Warum haben Sie alle weiteren Konzerte abgesagt. Einige waren doch bereits ausverkauft?

ChD: Ich bin derzeit unfähig, Konzerte zu geben. Körperlich wie mental. Das ist ein ehrliches Bekenntnis und
einfach zu erklären. Zum einen habe ich große Probleme mit meinem rechten Schultergelenk. Ich bin hier in professionellen Händen, aber wenn du nicht mal mehr mit dem Arm eine Akustikgitarre umfassen kannst, dann ist es dir nicht möglich, den Fans das Beste zu geben. Zum anderen fehlt mir seit einiger Zeit eine gewisse Grundprofessionalität für die großen Bühnenauftritte. Punkt neun vor die Scheinwerfer zu treten, nur weil 1000 oder 2000 Leute Eintritt bezahlt haben, das führt zu einer gewissen Trostlosigkeit, wenn einem die Motivation zum Rock 'n' Roll fehlt.

'Motivation zum Rock 'n' Roll fehlt' ... habe ich Sie da richtig verstanden? Was ist mit dem Druck: „Heute Abend muss ich auf die Bühne, wenigsten der Fans wegen, die dafür Eintritt bezahlt haben.“

Neulich habe ich einen Aufkleber auf einem VW Golf gelesen: "Autowaschen ist kein Rock 'n' Roll". Stimmt! Und halbherzig und halbfit vor sein Publikum zu treten ebenfalls nicht. Die berechtigten Erwartungen der Fans würden mich zum Vorgaukeln einer Stimmung zwingen, die nicht wahrhaftig ist. (...) Bei den vergangenen Touren konnte ich Auftritte nur mit Hilfsmitteln vollbringen. Ich erzeugte so meine Stimmung künstlich.

Mit Drogen?

Mit Drogen habe ich so meine Erfahrungen gemacht, das ist richtig. Aber das meine ich hier nicht. Ich bin vor Jahren eher durch Zufall darauf gekommen, dass bei mir die Einnahme einer bestimmten Schmerztablette, wenn ich überhaupt gar keine Schmerzen habe, eine Art Befreiung auslöst, die etwa die Zeit des Konzertes andauert. Genau das war es, was ich auf meinen letzten Touren brauchte und das war ein unfassbarer Selbstbetrug. Mehrere Jahre habe ich dieses Konstrukt für meine Auftritte benutzt. Dies obwohl ich ein viertel Jahrhundert davor einen Song über genau diese Situation geschrieben hatte. So konnte das nicht weitergehen.


War das der wahre Grund, jetzt mit Livekonzerten aufzuhören?

Ja und nein. Ich muß das jetzt mal relativieren. Die Konzerte zu Beginn der „Reizwolf“-Tour habe ich bereits ohne Tabletten absolviert, aber ich musste festgestellen: es war nicht dasselbe wie in früheren Jahren. Deshalb aber wieder die beschriebenen Schmerztabletten einzunehmen, anzunehmen, war für mich keine Option, denn früher gab es auch schon mal Entzugserscheinungen, wenn das Zeug nicht mehr richtig wirkte. Beim Rasieren habe ich mir da schon mal gleich noch die Hälfte meines Kopfhaares mit entfernt. Sie erinnern sich? Die Wandlung von Saulus zum Paulus; erst Waldschrat und dann Glatzkopf. Meine Fans feierten diese Einlagen immer als eine Art Metapher und doch war es bitterer Ernst. Also war es höchste Zeit, meine Abhängigkeit von der Firma Merckle Ratiopharm zu beenden. Auch wenn mir das gerade wegen meiner S.T.U.R.M.-Truppen wirklich weh getan hat.


(...) Kurz vor der Veröffentlichung Ihres Albums „BEGRÄBNIS“ vor fünf Jahren haben Sie eine Fernsehsendung produziert, die ihren eigenen Tod verkündete. Was war der Grund hierfür? Bisher haben Sie darüber kaum gesprochen.

Mein Albumtenor ist ja: „Du musst erst sterben, damit sie dich leben lassen.“ Darum geht und ging es in der Album-Trilogie. Ich wollte hier das Ende des Messias in modernen Form umsetzen als so eine Art "Nah-Ost Side Story". Was mich persönlich angeht, na, da wollte ich den Ruhm, der mir zusteht nicht erst in des Totenmanns Kiste auskosten. Also habe ich mit Freunden einen Film über mich gedreht, der ohne Vorwarnung in Alexander Kluges Abendprogramm bei RTL eingeschoben wurde. Erfahrungen, wie so etwas ankommen kann, hatten wir ja schon mit der Doku "Alles Anders" gesammelt. Plötzlich tauchte eine Fernsehansagerin auf und verlas die Mitteilung, der als Charly Davidson bekannte Karl David Korff sei verstorben und man ändere ihm zu Ehren das Programm für einen Nachruf. Im Grunde ein Scherz, denn meine Familie, meine Freunde waren allesamt eingeweiht. Die Reaktionen hierauf aber waren auch für meine Vorstellungen unfassbar. Fernsehteams versuchten so schnell wie möglich in die Berge zu kommen, wo ich beim Paragliding abgestürzt sein sollte. Meine schlimmsten Feinde sagten im TV, wie sehr sie mein Tod erschüttert habe. Hunderte Fans pilgerten zu meinem Haus. (...) Also das war ein Skandal! Die BILD-Zeitung erklärte mich zum meist gehassten Deutschen, weil ich die Pietät von Toten verhöhnt hätte. Sogar Alexander Kluges Sendeplatz bei RTL sollte ihm abgenommen werden. In diesem Moment war ich ein wirklicher Künstler.«

Donnerstag, 16. Dezember 2010

B-SEITE / Song 13: Wie tief kann man sehen

„Die Frau im Fernsehen sagt
»Gute Nacht dankeschön
fürs Zuschaun und auf Wiedersehn« -
ob sie ne Ahnung hat,
die gute Frau da im Fernsehstudio,
wie hier die Aktien stehn?”
(Stefean Stoppok)

„The sky above the port was the color of television,
tuned to a dead channel.”
(William Gibson)

Nachdem er den Bochumer Stadionring entlang gelaufen und zurück in seiner Suite angekommen war, setzte sich Charly in den Sessel am Schreibtisch und trank nach und nach drei doppelte Whisky mit Cola, die er sich aus dem Inhalt der Mini-Bar unter dem Fernseher gemixt hatte. Während der Alkohol langsam zu wirken begann, verdrängte er die Idee aus seinem Kopf, sich ohne Gleitschirm vom Hoteldach fallen zu lassen. Schlafen konnte er in dieser Nacht nicht und ging, als Jürgen schon schnarchte, doch noch bis auf das Dach des Hotels, ließ den Wind durch seine Haare streichen, überlegte hin und überlegte her, setzte einmal zum Sprung an, ging dann aber, als sich der in dieser Nacht bibelschwarze Sternenhimmel vom bevorstehenden Sonnenaufgang bereits leicht zu erhellen begann, unverrichteter Dinge wieder in die Hotelsuite zurück. Nein, dachte Charly, so leicht wollte er es Uschi nicht machen. (...)

(...) hatte während der endlosen Nacht und der gesamten Rückfahrt hin und her überlegt, wann er Uschi ansprechen und vor allem, wie er mit ihr über all das reden sollte, was er erfahren hatte. Er fand, dass genau jetzt ein guter Zeitpunkt dafür war.

„Ach“, begann er und sah Uschi dabei groß in ihre Augen „es hat mir wieder mal jemand etwas über Deine Vergangenheit erzählt.“

Charly glaubte zu bemerken, wie Uschi einen winzigen Moment nachdachte. Wahrscheinlich erwog sie die Möglichkeit, dass ihm jemand im Archiv der Arbeiterjugend etwas erzählt haben könnte. Sicherlich hatte auch sie sich für einen Tag X gut vorbereitet, schien aber im Moment nicht davon auszugehen, dass dieser Tag gerade eben begonnen haben könnte. In diesem winzigen Moment schien sie abzuwägen, was er in Erckenschwick hätte erfahren können. Und Charly ahnte ihr Ergebnis: 'höchstens etwas Neues über meine FDJ-Zeit'. Uschi lächelte und wackelte ein wenig mit ihrem Kopf, so wie es ihre Eigenheit war.

„Das Thema hatten wir doch schon so oft, mein Schatz“, sagte sie sanft. „Seit ich mit Dir zusammen bin, erzählen Leute, dass mit mir dies und das und jenes nicht stimmen würde, aber noch nie konnte irgend jemand seine Lügen über mein Leben belegen ... was ja auch überhaupt nicht geht, weil, wie immer bei Lügen, alles frei erfunden ist.“ Nun lächelte sie noch mehr und strich Charly mütterlich übers lichte Haupt um ihm dann den Rücken zuzudrehen und zum zum Herd zurückzugehen. „Es gibt Putenschnitzel mit Champignons und Salat, das magst Du doch so“, rief sie ihm zu. Ein günstiger Moment, dachte Charly, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Er zündete seine V2.

„Weshalb hast Du Deinen ersten Mann damals eigentlich verlassen?“ fragte er sie und sagte dann, genau in dem Moment, als Uschi sich umdrehte und ihm antworten wollte, „Wusste er da schon, dass Du als ARIEL für die Stasi gearbeitet hast?“ - Uschi blieb inmitten der Drehung wie versteinert stehen, wirkte aus der Fassung gebracht, angeschlagen. Charly sah, dass die Rakete ihr Ziel getroffen hatte. Uschi war im Moment sprachlos. Wahrscheinlich fragt sie sich jetzt, wer um alles in der Welt ihm das gesagt haben konnte. Jetzt waren schon einige Momente vergangen und Uschi sprach noch immer nichts. Sie drehte sich aber von Charly weg, offenbar, damit er nicht weiter in ihrem Gesicht lesen konnte, nahm ein Geschirrtuch und begann Teller abzutrocknen. Ganz offensichtlich versuchte sie Zeit zu gewinnen, musste ihre Taktik erst finden.

„Wer hat Dir denn so etwas erzählt?“ fragte sie Charly schließlich, ohne ihn jedoch dabei anzusehen. Ja, meine Liebe, dachte Charly, genau das ist die Frage, die dich bewegt. Noch ehe er zuende gedacht hatte, griff sie aber seine Frage auf. „Mein Ex-Mann? DER war bei der Stasi. Nicht ich. Das weißt Du doch.“ Sie sprach mit kurzen, halb abgehackten Sätzen und schien nicht begriffen zu haben, dass das Ganze so einfach nicht mehr war.

„Hat Dir Deine Stasi-Ausbildung geholfen, alles über mich herauszufinden, bevor Du mich in Suhl angesprochen hast?“

Nun drehte sich Uschi abrupt zu ihm um. Wütend sah sie aus und wackelte mit dem Kopf. „Ach, Gunnar Wolgast war es. Hätte ich mir doch denken können. Jetzt hört sich doch alles auf. Weißt Du, Du erinnerst mich immer mehr an meinen zweiten Mann, ich stelle da schon seit gewisser Zeit einige Parallelen fest“, rief sie Charly zu, offensichtlich immer noch nicht mit der Möglichkeit rechnend, dass seine zweite Rakete abschussbereit in ihre Richtung zeigte. Und deren Start hatte er gerade freigegeben.

„Wieso?“, fragte Charly ARIEL mit der Stimme des Lammes, das würdiger noch erachtet wurde als Mensch oder Engel, das mit sieben Siegeln verschlossene Buch zu öffnen. „Habe ich jetzt seit neuestem auch eine Detektei und ...“ - Nun fuhr ihm Uschi ins Wort.

„Ich will Dir mal was sagen, mein Lieber. Du hast mich doch gefickt und alles“, schrie sie ihn an, „was willst Du also überhaupt? Du hast doch Deine Sabine betrogen, nicht ich.“ Frau Prof. Dr. phil. Ursula Maus, die Kommunikationsexpertin, die ihrem Schatz gerade Putenschnitzel mit Champignons und Salat zubereitet hatte, nun aber unvermittelt an ihrem Lebensabgrund stand, am Ende ihres infamen Spiels angekommen war, wurde zu einer Furie.

„Gut, ich habe meinen Mann mit Dir betrogen, aber das ist meine ganz persönliche Angelegenheit. Die habe ich inzwischen sauber und ordentlich geregelt. Also noch mal: was willst Du überhaupt mit Deinen Vorhaltungen mir gegenüber zu Joachim und Rudolf? Um wen geht es Dir dabei? Um mich oder um Dich? ICH bin Deine Frau, schon vergessen? Kein Müllmann! Trotzdem lädst Du immer Deinen ganzen Müll bei mir ab. Neulich war ich beim Arzt, weil ich Angst hatte ernsthaft krank zu sein. Der hat mir Blut abgezapft und eine Hautprobe genommen. Aber Du hast davon überhaupt nichts bemerkt, Du ignoranter Arsch. Und was habe ich in unserer Zeit schon alles für Dich getan? Ja, bin ich denn kein Mensch? Hab ich nicht auch einen Anspruch auf mein kleines bisschen Glück im Leben?“.

Charly wusste nicht, ob das, was ARIEL gerade vollführte, antrainiert war und professionell abgespielt wurde oder authentisch aus ihrem Mund (...)

(...) „Wie es weitergehen soll? Wie das mit uns beiden weitergehen soll?“ Uschi wackelte mit dem Kopf und lenkte Charly davon ab, dass sie nun das Steuerpult übernommen hatte. „Wie es mit Dir und mir weitergeht, das will ich Dir sagen mein Lieber. Wenn Du eine Scheidung willst, die kannst Du kriegen
... allerdings zu meinen Bedingungen. Die wären: 1.) Wir trennen uns und zwar in einer Art und Weise, die für alle in unserem Umfeld logisch und nachvollziehbar ist. 2.) Bis dahin sind wir für alle weiterhin der Rockstar und seine Frau, das Erfolgsduo mit der gemeinsamen Firma. Und 3.) solltest Du es nicht einmal wagen, daran zu denken, dass die Sache anders laufen könnte.“ Sie schaute Charly triumphierend an.

Doch schon in der nächsten Sekunde änderte sich ihre Gemütslage wieder. Diesmal brach Uschi in Tränen aus, drückte sich an ihn und heulte wie ein Schloßhund. Das musste eine subtile Art der Gehirnwäsche sein, dachte Charly, gelernt ist eben gelernt, und das was sie kann, das kann sie gut, und er roch dabei ihre Tränen. Der Geruch von verdampfenden Tränen auf aufgewühlter Haut erinnerte ihn an die Szene, die sie ihm wegen Gunnar Wolgast vorgespielt hatte, zu einer Zeit, als sich Charly mit ihr noch glücklich glaubte.

Wenn Uschi es von ihm damals verlangt hätte, dann hätte er Wolgast den Garaus gemacht mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung gestanden hatten. Aber ihr schien wohl das Risiko zu hoch gewesen zu sein, dass dadurch alles ans Tageslicht gekommen wäre. Uschi schaltete damals Anwälte ein, um Wolgast einzuschüchtern, lies Unterlassungsklagen formulieren, verklagte ihn auf Schdensersatz wegen Fotos von ihr, die er beim Ostseeradio ins Netz gestellt hatte und der gab schließlich Ruhe, weil er die in den Raum gestellten Summen finanziell nicht tragen konnte. Auch das hatte van Gaalen festgestellt.

Erst jetzt begriff Charly, wie nah er der Wahrheit damals gekommen war. Weshalb sollte er also nun mit der Scheidung von Uschi warten? Als ein letzter Triumph Uschis über ihn? - 'Wenn Du eine Scheidung willst, die kannst Du kriegen, allerdings zu meinen Bedingungen' ... nein, dachte Charly (...)


(...) ihre Raketen hatten ins Schwarze getroffen, hatten sein Bollwerk zerstört, keine einzige war während des Fluges explodiert. Ob ihre Tränen gefälscht waren - wer konnte das im Moment sagen? Aber eines wusste Charly Davidson ganz genau: ihre Worte waren es nicht. Das mit der „Lebensversicherung“ stimmte und passte auf einmal beängstigend präzise. Vor allem, wenn er darüber nachdachte, was Uschi über ihn und seine Geschäfte wusste, über seine sexuellen Vorlieben bis hin zum Naseboren, über die finanziellen Verhältnisse und Steuersparprojekte. Über all das besaß Uschi die Vollmacht und er hatte sie ihr absolut freiwillig gegeben. Keine Frage: Seine Scheidung würde er kriegen, allerdings zu ihren Bedingungen.

Charly hatte plötzlich nur noch diesen Song in seinem Kopf ...

„And then the alien anthropologists
Admitted they were still perplexed
But on eliminating every other reason
For our sad demise
They logged the only explanation left
This species has amused itself to death
No tears to cry no feelings left
This species has amused itself to death“.

Montag, 13. Dezember 2010

B-SEITE / Song 12: Die Wahrheit ist eine Wasserleiche

„Und als das Lamm das erste Siegel öffnete,
da sah ich ein weißes Pferd,
und der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen.
Als dann das Lamm das zweite Siegel öffnete,
da sah ich ein feuerrotes Pferd,
und der, der auf ihm saß, hatte ein Schwert.
Und als das Lamm das dritte Siegel öffnete,
da sah ich ein schwarzes Pferd,
und der, der auf ihm saß, hielt in der Hand eine Waage.
Als dann das Lamm das vierte Siegel öffnete,
da sah ich ein grünes Pferd,
und der, der auf ihm saß, das war der Tod.
(Offenbarung des Johannes, Kapitel 6)

(...) fuhren nach dem Termin in Erkenschwick in ihrem 500 GL recht flott nach Bochum, so dass sie trotz des Feierabendverkehrs schon um halb sieben Uhr am Bochumer Stadion waren. Jürgen freute sich richtig auf den abendlichen Ausflug nach Bochum und den „Starlight Express“, auch wenn Charly ihm gesagt hatte, er könne nicht mitkommen.

Beide aßen schnell etwas im Hotelrestaurant und gingen dann zu ihrer Zimmersuite. Jürgen bekam von Charly den ganzen Abend frei und um halb acht war Schulz bereits auf dem Weg ins Musical-Theater. Nun konnte Charly van Gaalen anrufen.

Es dauerte nur wenige Minuten und dann stand van Gaalen vor Charlys Suite. Der große hagere Mann, Charly schätzte ihn auf knappe 70 Jahre, schüttelte ihm die Hand und betrat dann die Suite. Nachdem sie sich kurz allgemein unterhalten hatten, legte von Gaalen einige Dinge auf den Schreibtisch im hinteren Teil der Suite, die aus zwei zusammengelegten Hotelzimmern bestand. Unter den Unterlagen konnte Charly auch eine hellblaue Kladde mit der Aufschrift „Deutsche Reichsbahn“ erkennen.

„Setzen wir uns doch“, sagte der Holländer zur Rocklegende und der entschuldigte sich, dass er van Gaalen nicht von sich aus einen Sitzplatz angeboten hatte. „Es ist so, dass ich zuerst einmal die Daten abgleichen möchte.“ Charly nickte und beide nahmen Platz.

„Also Herr Korff, es handelt sich hierbei um Ihre Anfrage zu Frau Prof. Dr. Ursula Maus geb. Lutzschke, gesch. Gabusch, geboren am 05. November 1958 in Dessau,
Ihre Ehefrau ...“ - Charly nickte zustimmend - „... die nach der Heirat mit Ihnen den Nachnamen 'Maus' behalten hat. Ist das korrekt?“ Charly bejahte und fühlte, wie sich sein Magen langsam zusammen zog. Die blaue Kladde auf dem Schreibtisch hatte seine schlimmsten Befürchtungen bestärkt, ohne dass van Gaalen sie überhaupt geöffnet (...)

(...) der Name Gabusch und das Jahr 1989. Das sagt Ihnen etwas, oder?“, fragte ihn van Gaalen.

„Gabusch war mal Uschis Name. Und 1989, mein Gott, da ist so viel passiert.“ antwortete Charly, fragte dann aber zurück: „Was sollte es mir noch sagen?“

„1989 ging das kurz mal durch die Presse ind der Bundesrepublik: 'Zwei DDR-Bürger bei Fluchtversuch festgenommen' hieß es. Aber damals waren die Zeitungen ja wohl voll von diesen Meldungen. Haben Sie jemals mit Ihrer Frau über solche Dinge gesprochen?“

„Sicherlich, doch, aber eher allgemein. Ich kann mich jedenfalls an keinen konkreten Grund erinnern.“ entgegnete ihm Charly.

Van Gaalen hielt kurz inne, überlegte und fuhr dann fort. „Dann werde ich Ihnen jetzt einmal einen konkreten Grund benennen. Einer der beiden Männer von damals war Joachim Gabusch, den seine Frau bei der Volkspolizei als der Republikflucht verdächtig gemeldet hatte, nachdem er mit seinem Freund in Richtung Brocken zum Wandern aufgebrochen war. Beide wurden verhaftet und kurz danach wegen versuchter Republikflucht verurteilt. Seine Ehefrau, Frau Ursula Gabusch, geborene Lutzschke, zog daraufhin mit ihren beiden Söhnen von Hellersdorf nach Friedrichshagen und reichte eine Schnellscheidung ein.“

Charly starrte van Gaalen ungläubig an. „Das stimmt doch jetzt nicht, oder?“, sagte er geschockt.

„Eine Personenverwechslung ist auszuschließen.“ antwortete ihm der Detektiv. „Herr Korff, bevor Sie mir Fragen stellen, darf ich einen Moment noch weiter berichten.“ Wieder nickte Charly und van Gaalen kramte in seinen Unterlagen. „Wenig bekannt waren bisher wohl, selbst für Sie, Details des Lebens Ihrer Frau zu DDR-Zeiten. Man weiß ja, wie das ist. Erzählt wird viel, gepüft kaum. Aber 'Vertrauen ist gut, Kontrolle besser' sagte ja schon der gute Wladimir Iljitsch.
Ich habe hier ...“ der Detektiv schob Charly ein leicht vergilbtes Blatt zu „... einen Laufzettel, nach welchem eine Ursula Gabusch geb. Lutzschke, aus Berlin-Hellersdorf, Personenkennzahl 051158419333, Operationsname ARIEL, am 11.11.1989 aus einer 'Sonderbrigade Stöckel' ausgeschieden ist, welcher sie, laut Vermerk der Kaderleiterin Schau, seit dem 24.01.1989 angehört hatte. Die 'Sonderbrigade Stöckel' gehörte damals zum Ministerium für Staatssicherheit.“

Charly kannte sich ein wenig aus, hatte Anfang des Jahres in der WELT den Artikel „In den schmutzigsten Tümpeln der DDR-Geschichte“ von Freya Klier gelesen, hatte auch im Archiv der Arbeiterjugend mehrmals Gespräche geführt über die Rolle von IMs. Trotzdem protestierte er nun heftig (...)

(...) erzählte Charly von Gunnar Wolgast. RADIO USEDOM hatte an Dokumentationen über Charly Davidson gearbeitet und Uschi bot sich Wolgast an, Infos über deutsche Musiker zu liefern. Der Detektiv deutete auf ein blaues Blatt, dass sich Charly daraufhin genauer ansah. „Eintrag im Gästebuch der Website www.charlydavidson.com, 26. Mai 1998, 18:56 Uhr von ursula.maus@tkun.de“ stand auf ihm zu lesen und weiter
„Ein schlauer Kerl muß sich nicht als altkluger Grieche verkleiden, wenn er auf dem Weg ist, ein kluger alter Pop-Olympionike zu werden.“ Charly überflog das Blatt und legte es dann zurück.

„Gibt es noch andere Dinge, die ich wissen muss?“, fragte er Van Gaalen.

„Nun ist ja mein Spezialgebiet die Wirtschaftskriminalität, Rumschnüffelei in Privatleben machen wir Detektive eher ungern. Das ist schon anders, als man es aus dem Fernsehen oder
von Filmen kennt. Kurzum: die Firma T-KUNDE ist zwar schon vor einigen Jahren aufgelöst worden, sie hat auch keine Internetseite mehr. Gleichwohl gibt es noch die E-Mail-Adresse kontakt@tkun.de. Das hat selbst mich ein wenig überrascht, denn diese Adresse führt aktuell zu einer Detektei in Berlin ... sozusagen zu Kollegen von mir ... der Name ist 'Krake, Ratten & Maus'. Neben Volker Krake und Dirk Ratten ist tatsächlich ein Herr Rudolf Maus dort mit an Bord, jemand, den Sie sicherlich kennen.“ Diese Information überraschte Charly außerordentlich.

Van Gaalen erzählte ihm anschließend, dass sich Gunnar Wolgast und Uschi 1999 angefreundet hätten, sie daraufhin ihren Mann Rudolf verlassen hatte, ihre Arbeitkündigte und mit Doreen zu Wolgast nach Usedom gezogen war. Dort habe sie sich als Kommunikationsexpertin selbstständig machen wollen. Wolgast hätte ihr dabei geholfen, von Heirat sei damals die Rede gewesen, habe Wolgast ihm versichert. Der habe daraufhin einen Kredit aufgenommen, um Ursula Maus die Ausbildung zur Kommunikationstrainerin und ihre ersten Werbemittel zu finanzieren.

„Wolgast zeigte mir einen von Ursula Maus unterschriebenen Darlehens-Vertrag über 7.000 Euro. Gleichzeitig versicherte er mir, dass er vom Plan Ihrer Frau, Sie kennenzulernen, nichts geahnt habe
(...)

(...) Charlys Brust schmerzte, sein Blutdruck musste schon bei weit über 200 sein. Er bickte auf die Uhr unter dem Bildschirm des TV-Gerätes. Sie zeigte viertel vor Neun. Van Gaalen bemerkte dies und stand auf. Charly nahm davon keine Kenntnis, dachte nur daran, wie sich Uschi damals, als sie sich kennenlernten, auch im Bett richtig ins Zeug gelegt hatte, um ihn für sich zu gewinnen. Wahrscheinlich hatte sie es bei ihren ersten beiden Männern und bei Gunnar Wolgast ebenso gemacht, dachte Charly (...) betäubt vom Pfeilgift der gerade vorgetragenen Informationen packte Charly, da er nun wieder allein war, alle Unterlagen, die von Gaalen ihm zurückgelassen hatte, in einen großen Umschlag, klemmte ihn unter den Arm, verließ die Suite, nahm den Fahrstuhl nach unten.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

B-SEITE / Song 11: Ein privater Moment, der alles verändert

Please do not be alarmed
by anything you see or hear around you.
We are now cruising at a level of two to the power of
two hundred and seventy-six thousand to one against and falling,
and we will be restoring normality just as soon
as we are sure what is normal anyway. Thank you.“

(Douglas Adams)

Uschi war nach Berlin zu einem Symposium über neue Theorien kommunikativer Systeme gefahren und Charly saß alleine in der Küche, hatte noch nicht gefrühstückt, obwohl es schon nach 10 Uhr war. Er musste immer und immer wieder an Uschi denken, allerdings anders, als zu der Zeit, als beide noch nicht verheiratet waren und sich E-Mail um E-Mail schrieben. Im Moment dachte er an wichtigere Dinge als an Sex. Von den Bedürfnissen seiner Fans ganz zu schweigen, die ihn wieder auf Tour sehen wollten.

Als Uschi und er vor der Hochzeit überlegt hatten, ob sie einen Ehevertrag aufsetzen sollten, hatte Charly darüber auch mit Lars Voreigner gesprochen, obwohl man damals das Verhältnis zwischen beiden schon nicht mehr freundschaftlich nennen konnte. Lars hatte ihm, möglicherweise in einem letzten Akt der Verbundenheit dazu geraten, einen Ehevertrag abzuschließen, hatte ihm gesagt, in den USA würde das jeder Mensch machen, selbst wenn er nur ein Zehntel von Charlys Geld besitzen würde. Außerdem würde man dort auch immer einen Privatdetektiv mit der Recherche über das frühere Leben des Partners beauftragen, was weniger mit Misstrauen, eher mit Vertrauen in die gemeinsame Zukunft zu tun habe, weil ja eigentlich niemand etwas zu verbergen habe. Charly wollte seine Uschi aber nicht verärgern und hatte sie kurz danach ohne Vorbehalte und Verträge geheiratet, was sein Verhältnis zum "White Boy" endgültig zerrüttet hatte.

Seiner Frau hatte Charly Davidson ein mehr als großzügiges Hochzeitsgeschenk gemacht, das ihrer Hochzeitsreise für ihn zum Tuamoti-Archipel mindestens ebenbürtig schien: Charly hatte ihr eine Gast-Professur
in Kommunikationsdesign an der Universität Duisburg-Essen verschafft, durch die sich "Frau Prof. Dr. Ursula Maus" endgültig als "führende deutsche Kommunikationsexpertin" etablieren konnte. Nun aber, nicht einmal ein Jahr nach der Eheschließung, plagten Charly erhebliche Zweifel an der Loyalität seiner Professorin ihm gegenüber, von ihrer wahren Liebe zu ihm ganz zu schweigen. Charly fragte sich: Was wusste er eigentlich über Uschis Vergangenheit - abgesehen von all dem, was sie ihm darüber erzählt (...)

(...) verhaftete man ihn wegen Geheimnisverrats er wurde angeklagt, jedoch nicht verurteilt. Allerdings verlor er seine Anstellung und die Familie musste nach Berlin umziehen, verlor alle Privilegien. Ursula macht im Sommer 1977 ihr Abitur, erhält aber trotz guter Noten keinen Studienplatz.

Charly hätte die Geschichten seiner Frau jedermann stundenlang weitererzählen können. Und das hatte er ja auch bereits und oft. Dem Thüringer MP ebenso wie Impresario Franz Rauch, Lars Voreigner. Mir hatte er sie erzählt, den Vorstandsmitgliedern der mittelständischen Vereinigung und auch bei jeder anderen passenden Gelegenheit - immer dann, wenn es galt, Aufträge für Uschis Job als Kommunikationsexpertin zu sammeln. Allerdings tat er es niemals bei Talk-Shows und ähnlichem, denn Uschi wollte das nicht in dieser breiten Öffentlichkeit. Daran hielt sich Charly.

Was ihm aber mit einem Mal auffiel: je länger er darüber nachdachte, waren erstaunliche Bezüge zwischen Uschis Selbsterlebtem und seinen eigenen Vorlieben, Interessen und sogar einigen seiner Songs zu erkennen. „Überflieger“ zum Beispiel; das Lied hatte er Mitte der 90er Jahre getextet: Du bist Flieger, fliegst steil nach oben / Und willst immer oben sein / Doch das Leben, fliegt dir hinterher / Und manchmal holt es dich auch ein. 2000 lernt er dann Uschi kennen und was war ihr Stiefvater von Beruf? Testpilot „Falken-Horst“: ein Überflieger, eingebunden dazu noch in eine Geheimsache, die fast schon der „V2“-Entwicklung würdig gewesen war.

Charly machte ein Album darüber, wie der DDR-Staat seine Bürger knechtete und was ist mit Uschi? Ihr wurde vom Staat das Studieren verboten. Dann hat er selbst massive Eheprobleme und plötzlich taucht Ursula Maus auf, die gute Fee, analysiert sein Leben, findet heraus, dass Sabine an all seinen Problemen die alleinige Schuld hat. Wie ihn das damals gefreut hatte.
Und dann hatte seine Kommunikationsexpertin sogar auch noch eine geeignete Lebens-Lösung für ihn parat: Sich!

Wenn man es recht betrachtete - nun, da er die rosa Brille des Frisch-Verliebten beiseite gelegt hatte , so wie es nach der Hochzeit bei vielen Ehepartnern der Fall ist - gab es im Leben seiner Frau auch einige Ungereimtheiten. So widerfährt ihr in der DDR großes Unrecht, doch dann kann sie in der FDJ Pionier-Leiterin werden, wird als Delegierte sogar zu Kongressen gesandt. Weshalb diese Wendung (...)

(...) alles in allem waren dies mindestens sechs unmögliche Dinge. - Würde ich der Logik der weißen Königin folgen, dachte Charly, die zu Alice sagt, dass Unmögliches zu glauben nur eine Frage der Übung sei, und dass, wenn man sich schon vor dem Frühstück sechs unmögliche Dinge ausdenken würde, dann sei alles möglich. Dieser Logik folgend könnte tatsächlich alles möglich sein. Alles. Sowohl Uschis Version der Dinge ... als auch das genaue Gegenteil.

Lars Voreigner hatte ihm seinerzeit wegen der Sache mit seiner Frau und Gunnar Wolgast einen fähigen Privatdetektiv empfohlen, der auf die Überprüfung von Ungereimtheiten in Biografien spezialisiert war. Dessen Telefonnummer hatte Charly damals in einer seiner Moleskin-Kladden aufnotiert. Er ging zum Bücherregal, musste etwas suchen, aber dann fand er sie in der schwarzen "Wiener"-Kladde. Van Gaalen hieß der Mann. Charly lief unruhig in seinem Büro umher, schüttelte immer wieder mit seinem Kopf, nahm dann aber doch sein Handy und tippte Van Gaalens Nummer ein.